Die Fotoserien von Hubert Kaufmann auf Sensorbasis sind nur auf den ersten Blick Kunstwerke im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit, vielmehr sind es Kunstwerke im Zeitalter der Wiederholung (un)möglicher Wahrscheinlichkeiten im Sinne einer konzeptuellen Überlappung von Technik und zu entstehendem bzw. entstandenem Bildinhalt. Diese werden zum fotografischen Konzept Kaufmanns und leiten zum übergeordneten System seiner Arbeit, der Auseinandersetzung mit der Wiederholbarkeit von Geschichte (bewusst vom inhaltlich Generellen zum bewusst bildlich Detailliertem) über.
Kaufmanns erster Schritt zum Erzeugen seiner Arbeiten lässt ihn zum Skeleteur werden, er baut seine digitale Kamera auseinander, legt damit den Sensor frei, ehe er diesen durch Abklebungen sprichwörtlich neu verortet, drückt den Auslöser und lässt den Sensor seine Umgebung wiederholt abtasten. Dadurch entstehen auf diesem Sensor Rauschbilder, Bilder voller Farbsättigungen und explodierenden Bildpunkten, die mittels Ausspielung als RAW Datei viel mehr als nur die Umgebung abbilden oder verlockende Farbbilder sind.
Diese sensorbasierten Arbeiten, um sie so zu benennen, schaffen inhaltliche Referenzen auf Vergangenes, Gegenwärtiges und (dies völlig wiedererwartend) prognostizieren trotz ihrer Färbigkeit mitunter eine dystopische Zukunft. Das Paradoxe daran ist, dass diese Arbeiten im dunklen Raum entstehen – quasi einem Vakuum, zeitgleich Assoziationen mit Urknall und Supergau zulassen bzw. provozieren, aufdrängen, bzw. aufdrängen (werden) müssen. Zeugt das eine von der Entstehung, steht das andere für Zerstörung. Diese Gegensätze fallen natürlich nicht zufällig in einem Bild zusammen. Beide entstehen durch Wiederholung bzw. Wiederholbarkeit. Ist ein Sensor aufgebraucht, wird ein neuer verwendet, die Realität neu skaliert, erneut skelettiert, das farbliche Ergebnis freilich unterscheidet sich, der Inhalt bleibt jedoch derselbe, weil er offenkundig und offensichtlich derselbe bleiben wird und muss.
Marko Zink, 2025