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Ein Rauschen das ruhig stellt oder beruhigt, eine ständige Berieselung. Das Gefühl des „ruhig gestellt“ Seins zeigt sich als kollektives Phänomen. Menschen bewegen sich im System. In Mustern und Strukturen geordnet, die von außen kommen und sich wie selbstverständlich in den Alltag einschreiben. Begleitet von Smartphones, Flachbildschirmen, die überall hängen, von Werbeplakaten, Zeitschriften und digitalen Interfaces. Befüllt mit Nachrichten über Katastrophen, Kriege und Krisen und zugleich mit einer unendlichen Bildproduktion, die eine bessere, hellere, optimierte Welt verspricht. Ein Rauschen, das beruhigt, indem es überlagert. Ein Rauschen, das stilllegt, mit ständiger Präsenz.

Ein Oberton, der über die Wahrnehmung gelegt wird und die Klarheit des Denkens dämpft. Dieses mediale Grundrauschen ist mehr als Hintergrund, es ist und hat Struktur und etablierte sich als fester Bestandteil des Lebens, ohne je bewusst hinterfragt zu werden. Eine Berieselung, ohne Pausen, eine Zeit ohne Sendeschluss.

Unsere Aufmerksamkeit wird fragmentiert, unsere Wahrnehmung in Mikroeinheiten aufgeteilt und die Geschwindigkeit der Bilder, die uns in einem Dauerstrom berieseln, ersetzt ihre Tiefe. Der Blick gleitet über Oberflächen, ohne sie jemals zu erreichen. Nachrichten, Fiktionen und Werbeversprechen erscheinen im permanenten Wechselspiel, in unmittelbarer Nachbarschaft und verlieren dadurch ihre Gewichtung. Katastrophe und Komfort existiert parallel, ohne Reibung.

Das Sehen findet nicht länger bewusst und gezielt statt, sondern es wird reflexhaft. 

Die Berieselung kaschiert Brüche, dämpft Irritation, neutralisiert Intensität und schafft einen Zustand latenter Gleichgültigkeit, der sich wie ein feiner Schleier über das tägliche Erleben legt. Es entscheidet nicht mehr das Einzelbild, sondern die Frequenz, die Wiederholung, die Überlagerung. 

Das Rauschen: Es beruhigt, indem es erschöpft.

Hubert Kaufmann, 2019